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Uni-Studie

Strom würde ohne Energiewende genauso viel kosten wie heute.

 

Die Energiewende hat in Deutschland bei vielen Verbrauchern keinen guten Ruf. Immerhin kostet die Kilowattstunde (kWh) Strom heute etwa doppelt so viel wie vor 20 Jahren und rund die Hälfte mehr als noch vor zehn Jahren. Doch eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt nun, dass zumindest die Privatverbraucher ohne die Energiewende heute ohnehin das gleiche für Strom bezahlen müssten. Aber für die Wirtschaft wäre Strom deutlich teurer.
Zwar wären private Haushalte dann nicht mit der Erneuerbaren-Energie-Umlage belastet, müssten dafür aber wegen des sonst höheren Marktpreises für Strom aus konventionellen Energien tiefer in die Tasche greifen, sagte Jürgen Karl vom Lehrstuhl für Energieverfahrenstechnik.

 

Die Forscher gingen davon aus, dass es nach dem Fukushima-Unglück 2011 auch ohne Energiewende zu einem Ausstieg aus der Atomkraft gekommen wäre. Es hätte also zwischen 2011 und 2013 sowohl günstiger Atomstrom als auch relativ preiswerter Ökostrom im Kostenmix gefehlt. Dank Sonnen- und Windenergie war der an der Leipziger Strombörse ermittelte Preis für Elektrizität 2013 mit 3,78 Cent pro Kilowattstunde deutlich niedriger als noch im Jahr 2011. Ohne Strom aus erneuerbaren Energien hätte der Strompreis dort bereits 2011 bei 8,39 Cent pro Kilowattstunde, 2013 sogar bei 9,07 Cent gelegen, errechnete Karl. Strom wäre damit mehr als doppelt so teuer, gab der Energieexperte in der von Siemens finanzierten Studie zu bedenken.

 

Konventioneller Strom auf wackligen Beinen
Bei konventionellen Kraftwerken habe seit der Jahrtausendwende außerdem ein erheblicher Investitionsstau bestanden. Dies hätte ohne den raschen Ausbau erneuerbarer Energien zu einer preistreibenden Versorgungslücke geführt. Ein stabiler Betrieb wäre ohne die Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom in den vergangenen Jahren nicht gewährleistet gewesen, ist Karl überzeugt.

 

Er räumte allerdings ein, dass von der seit Jahren sinkenden Preistendenz an der Strombörse ausschließlich Unternehmen profitiert hätten, die von der Erneuerbaren-Energie-Umlage befreit seien. Im Umkehrschluss bedeute dies, dass diese Unternehmen ohne Energiewende, also ohne die Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom, heute mehr als das Doppelte für die Kilowattstunde Strom bezahlen müssten.

 

Die Einsparung wegen der niedrigen Strombörsenpreise bezifferte Karl allein für 2013 auf 31,6 Milliarden Euro. Abzüglich der Kosten für die EEG-Umlage von 20,4 Milliarden Euro blieb unter dem Strich eine Ersparnis von 11,2 Milliarden Euro. Privathaushalte hätten davon, wie gesagt, nichts gehabt. Karl errechnete für sie einen rekonstruierten Mehrpreis von 5,29 Cent/kWh, nur geringfügig mehr als die EEG-Umlage von derzeit 5,277 Cent/kWh.

Versteckte Mehrkosten für Kohle und Atom

Versteckte Mehrkosten für Kohle und Atom fast doppelt so hoch wie EEG-Umlage

Quelle: Greenpeace Energy

Konventionelle Energieträger wie Kohle und Atom verursachen 2015 eine finanzielle Mehrbelastung von voraussichtlich 11 Cent pro Kilowattstunde, wenn die versteckten Kosten auf den Strompreis umgelegt würden. Dies ist ein Ergebnis der Studie „Was Strom wirklich kostet“, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace Energy erstellt hat. Damit würde die „Konventionelle-Energien-Umlage“ den Verbraucher doppelt so viel kosten wie die Umlage für Erneuerbare Energien, ohne dass er dies auf der Stromrechnung erkennen kann.

 

Während pro Jahr knapp 20 Milliarden Euro per Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in den Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind, Wasser und Sonne fließen, belaufen sich laut Studie die versteckten Zusatzkosten für konventionelle Energieträger 2014 und 2015 auf jeweils rund 40 Milliarden Euro. Darin enthalten sind sowohl staatliche Subventionen und finanzielle Vergünstigungen für konventionelle Energien als auch externe Kosten, mit denen die Gesellschaft für Umweltschäden oder die Endlagerung von Atommüll aufkommt. Die „Konventionelle-Energien-Umlage“ wird nach den Berechnungen des FÖS 2015 gegenüber dem Vorjahr sogar leicht steigen, während die EEG-Umlage sinkt.

 

„Erneuerbare Energien sind nicht nur sauberer, sondern unterm Strich auch deutlich kostengünstiger als Kohle und Atom“, sagt Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy. „Das Problem ist aber, dass die hohen Kosten von Kohle und Atom vor dem Stromkunden versteckt werden und indirekt über Steuern und Abgaben bezahlt werden“, so Keiffenheim.

 

Das Fazit der Wissenschaftler: Anders als häufig angenommen sind nicht die erneuerbaren Energien die „Preistreiber“ der Stromversorgung, sondern sie ersetzen Energieträger mit viel höheren Folgekosten für Steuerzahler und Gesellschaft. „Müssten die Energieversorger diese Zusatzkosten der Stromerzeugung in ihrer Kostenkalkulation berücksichtigen, wären erneuerbare Energien größtenteils heute schon wettbewerbsfähig“, sagt Swantje Küchler, Leiterin Energiepolitik beim Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft.

 

Der volkswirtschaftliche Kostenvorteil der erneuerbaren Energien wird nach den Berechnungen des FÖS noch deutlicher, wenn man die so genannten „Vollkosten“ neuer Anlagen miteinander vergleicht, die auch die Investitionskosten beinhalten. „Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen ist durch Lernkurven- und Skaleneffekte in den vergangenen Jahren immer kostengünstiger geworden, während sich neue konventionelle Kraftwerke kaum noch am Markt refinanzieren können“, sagt Studienleiterin Swantje Küchler.

 

Danach kostet zum Beispiel eine Kilowattstunde Windstrom aus neuen Anlagen 5,1 bis 8,7 Cent pro Kilowattstunde. Bei der Atomenergie liegen die Vollkosten mit 18,5 bis 49,8 Cent pro Kilowattstunde um ein Vielfaches höher. Auch Braunkohle (12,6 bis 14,1 Cent pro Kilowattstunde) und Steinkohle (14,7 bis 16,7 Cent pro Kilowattstunde) schneiden hier deutlich teurer ab.

 

Greenpeace Energy fordert deshalb, die Energiewende zügig umzusetzen und konventionelle Kraftwerke schneller vom Netz zu nehmen als bisher geplant. „Das Weiterlaufen von Atom- und Kohlemeilern kommt sowohl uns als auch folgende Generationen sehr viel teurer zu stehen als ein konsequenter Ausbau der Erneuerbaren“, sagt Marcel Keiffenheim.

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